Interview mit D.I. Herwig Zisser, Golfplatzprojektant i.R.


Zisser Herwig Golfarchitekt

fairgolf: Herr Zisser, Sie haben mehrere Golfplätze in Österreich geplant und projektiert.

Zisser: Mein erstes Golf-Projekt war eine Machbarkeitsstudie der 18 Lochanlage Loipersdorf-Fürstenfeld vor fast 25 Jahren.
Nach intensiver Grundstücksuche und diversen Grundstücksverhandlungen wurde von mir das Detailprojekt erstellt.
Im Zuge dieses Auftrages erarbeitete ich Unterlagen, (genaue Spezifikation mit detaillierter Leistungsbeschreibung) anhand dieser dann auch erstmals Golfplatz-Errichtungen öffentlich ausgeschrieben und damit dem freien Wettbewerb zugeführt werden konnten.
Vorher wurden nur spezielle Golfplatz-Baufirmen beauftragt, die natürlich auch dementsprechende Honorare verlangten.

fairgolf: Warum haben vor Jahren die meisten Golfplätze rote Zahlen geschrieben?

Zisser: Da wurden z.B. Golfanlagen mit dem (Fremd-)Geld wohlhabender Golfspieler, bzw. Banken gebaut, die dachten weil sie Golf spielen können, wissen sie auch, wie man einen Golfplatz baut und führt.
So wurde z.B. eine Anlage für 18 Mio.Schilling reine Platzherstellungskosten, aber dazu ein Clubhaus für über 42 Mio. Schilling errichtet!

fairgolf: Ihre weiteren Golf-Werke waren u.a. Maria Lankowitz, der GC Wels, die ersten Neun in Frauenthal und Ihr Lebenswerk, die 27 Lochanlage in Thal bei Graz.

Zisser: Die Erweiterung der 9 Lochanlage zum 18 Lochplatz „Grazer Golf“ und der 9 Lochanlage „Thalersee“ war schon bei den Grundstücksverhandlungen ein mehr als 10 jähriger K(r)ampf.
Neben der Flächenwidmung war besonders der Kampf mit dem Umweltanwalt nervenaufreibend und aufwendig.
Die übrige Zusammenarbeit mit den Behörden, bzw. deren Vertretern war recht konstruktiv.
2005 haben wir die 27 Loch eröffnet, ein Jahr später habe ich die Anlage verkauft und bin in den Ruhestand gegangen.

fairgolf: Wir wissen, dass Sie Ihren Ruhestand nicht ganz so ernst nehmen...

Zisser (lacht): Ich habe mich mein ganzes Leben mit Projektierungen befasst.
Viele davon haben Golfplätze betroffen.
Natürlich habe ich auch heute noch Ideen und Visionen.
Die verliert man nicht, nur weil man in Pension geht.

fairgolf: Eine Ihrer Visionen beziehen sich auf den Erzberg in Eisenerz.

Zisser: Das ist korrekt.
In der Schublade befindet sich ein komplettes Gedankenkonzept zum Bau eines weltweit einzigartigen Golfplatzes auf unserem steirischen Erzberg.

fairgolf: Wie sollte die Umsetzung einer solchen fast unglaublichen Idee erfolgen?

Zisser: Das technische Problem sollte es nicht geben.
Es gibt z.B. Maschinen, die fahren über eine Steinhalde und hinten kommt ein fertiges Saatbeet heraus.
Die derzeitigen Etagen haben größtenteils die durchschnittlichen Breite eines gängigen Fairways.
Aus- und Einbuchtungen herzustellen ist ja auch kein Problem.
Am und im Berg selbst ist ja eine weitestgehend komplette Infrastruktur vorhanden.
Und der Golfer wird mittels Shuttle auf den Berg gebracht und dann wird z.B. ausschließlich bergab gespielt.

fairgolf: Gibt es noch weitere, möglicherweise eher machbarer Ideen des „Pensionisten“ Zisser?

Zisser: Ja, schon! Ich plane derzeit ein neues Projekt für den Großraum Graz, wobei mit Großraum bis zu 70 km Umgebung von Graz gemeint ist.
Hier müssen nur die zuständigen Bürgermeister und andere Politiker aufspringen.

fairgolf: Werden überhaupt noch Plätze gebraucht?

Zisser: Nach meiner Meinung mehr denn je.
Im ÖGV wurde Ende 2007 der 100.000 ste Golfer registriert.
Das entspricht 1,21% der Bevölkerung.
Besonders ein Vergleich mit z.B. Schweden mit mehr als 6% der Bevölkerung an registrierten Golfern zeigt, dass zumindest eine Verdoppelung auf 2,5% in einem überschaubaren Zeitraum keine Utopie sein sollte und dafür werden Plätze gebraucht, wobei bei uns noch der starke Bedarf durch den Tourismus dazukommt.

Das Gespräch mit Herrn D.I. Zisser führte Peter Jüttner